Kapitel 2: Wo ist Gott Teil 19

26. Dezember 2023

Das Buch von Erzpriester Andrej Lemeschonok

Ein Lebenskriterium

Das Kriterium für alles, was in unserem Leben geschehen wird, ist unsere Einsicht, ob wir uns durch diesen oder jenen Schritt, diese Gedanken bzw. Worte Gott nähern oder von ihm entfernen. Aber wann nähern wir uns Gott? Dann, wenn es uns immer schlechter gehen wird. Keinesfalls besser, in der Art: "Jetzt erkenne ich schon etwas, verstehe schon ein wenig", sondern ich fühle mich immer schlechter und verstehe überhaupt nichts mehr. Wir fangen an zu erkennen, was auch immer wir ohne Gott tun, was auch immer wir für Pläne entwickeln, alles verwandelt sich in eine Hölle, wenn das Wichtigste fehlt - Christus. Und wir verwenden all unsere Energie auf die Suche Gottes in unserem Leben.

Erinnern wir uns womöglich, dass Christus der Sieg an sich ist? Aber wo ist er und über wen hat Er gesiegt? Damit unsere Ideen, unsere Pläne verwirklicht werden können, muss Christus in unserer Mitte sein, muss Er der Mittelpunkt unseres Lebens sein, das wir vertrauensvoll in Seine Hände legen.

Ich verstehe es nicht, aber ich nehme es an

Der Herr ist langmütig und barmherzig zu jedem einzelnen von uns. Aber wie schwierig ist es für Ihn, in unser Leben einzutreten, weil wir Ihm nicht völlig vertrauen, weil wir zweifeln, weil wir irgendwann sagen: “Wo bist Du, Herr? Ich verstehe nicht, warum das geschieht. Ich habe Dich gefragt, Dich angefleht, und Du hast mich nicht erhört.”

Und in diesem Fall brauchen wir nicht herumzurätseln, uns nicht damit zu quälen. Du solltest einfach sagen: "Ich kann es jetzt nicht verstehen. Aber es gibt eine Erklärung dafür, es ist Dein Wille und es gibt einige Gründe dafür, die ich heute nicht erkenne. Aber ich nehme sie an. Du erklärst mir irgendwann, wenn ich so weit bin, warum es geschehen ist, warum nicht mein Wille geschah und sich alles so ganz anders entwickelt hat."

Wir wissen heute, dass Christus mit uns ist, dass er in diese Welt gekommen ist, um uns vor dem Tod zu retten. In der Göttlichen Liturgie steht Christus, der für unsere Augen unsichtbar ist, in der Person des Priesters vor uns und schenkt uns Gemeinschaft in Seinem Leib und Blut.

Er schenkt uns Seine ganze Liebe. Alles, was in der Kirche geschieht, ist das Werk des Heiligen Geistes. Unsere Zweifel, unser Unglaube, unser Kleinmut und unsere Undankbarkeit hindern uns daran, Gott anzunehmen und ein neues Leben zu beginnen. Denn dieses neue Leben beruht auf vollkommenem Vertrauen in Gott.

Ich will glauben

Nach dem Sündenfall begann die Harmonie, die Schönheit, alles, was der Schöpfer in dieser Welt in Liebe erschaffen hat, zusammenzustürzen. Und es ist erstaunlich, dass in dieser von der Sünde zerstörten und verwüsteten Welt der Erzengel plötzlich zur Jungfrau Maria spricht, dass der Erlöser auf jene Erde kommen wird, die mit Tränen, Blut und Schweiß getränkt ist, und Seine Liebe hierher bringt. Und die Allreine Jungfrau vollbringt eine Glaubenstat. Obwohl sie als Mensch nicht verstand, wie es möglich war, ohne Ehemann Mutter zu werden, überwand ihre Liebe und ihr Vertrauen in Gott den Grad ihrer menschlichen Natur. Sie antwortete: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,38).

Darauf baut auch das Leben eines Christen auf, auf der Beziehung zu Gott, auf Gehorsam, auf dem Vertrauen in Gott, und nicht auf unseren Fantasien und Träumen. Wie kann mein Mann aufhören zu trinken, wenn er schon seit zwanzig Jahren trinkt? Wie kann sich mein Kind ändern, wenn es nicht glaubt und ohne Gott lebt? Wie soll das gehen? Auch die Muttergottes sagte: "Wie kann das sein? Wie kann ich ein Kind gebären, wenn ich keinen Mann habe?" Aber sie fügte hinzu: "Mir geschehe nach Deinem Wort. Siehe, ich bin die Magd des Herrn."

Was, wenn wir nun auch sagen würden: "Herr, ich verstehe nicht, wie es sein kann, aber ich will glauben, ich will Dir vertrauen, ich will, dass mein Glaube alle Zweifel, alle Argumente meines Verstandes, alles, was mich daran hindert, Dir zu glauben, überwindet ...".

Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben (Mk 9,24)! Wie viele Beispiele aus dem Heiligen Evangelium oder aus dem Leben der Heiligen, wenn der Herr einem Menschen Seinen Geist schenkt, wenn die Gesetze dieser Welt überwunden werden, wenn ich alles durch Ihn, Jesus Christus, vermag, der mir Kraft gibt. (vgl. Phil 4,13)

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