Homilie zum Pfingstfest vom Hl. Feodor dem Studiten

12. June 2022

Ikone von der Herabkunft des Heiligen Geistes

Ikone von der Herabkunft des Heiligen Geistes

Durch die Gnade des Heiligen Geistes war es uns möglich, das heilige Pfingsten – die Herabkunft des Heiligen Geistes – zu feiern. Über seine Herabkunft sagte Jesus Christus: “Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. (Jo 16, 7+13). Diese Verheißung und Seine Güte ist so groß, dass wir Ihn nicht einmal verstehen können. Denn der Herr hat versprochen, keinen Engel, keinen Menschen, sondern den “mitwesentlichen” Geist selbst zu senden.

So steigt der einzig gezeugte Sohn Gottes, nachdem er das Werk des Vaters erfüllt hat, in den Himmel auf, und der Heilige Geist steigt herab: nicht ein anderer Gott (es soll keinen geben!), sondern ein anderer Tröster, wie geschrieben steht. Oh, unsägliche Menschheit! Gott selbst ist unser Tröster geworden. So tröstet er in Wahrheit die vom Unglück Niedergedrückten und bewahrt sie vor der Erschöpfung des Geistes, wie der heilige Apostel dies bezeugt, indem er sagt: “Überall bedrängten uns Schwierigkeiten: von außen Widerspruch und Anfeindung, im Innern Angst und Furcht. Aber Gott, der die Niedergeschlagenen aufrichtet, hat auch uns aufgerichtet,... (2 Kor 7, 5). Er tröstet das von dämonischen Ängsten erschrockene Herz und erweckt es durch kühne Hoffnung zu unbesiegbarem Mut, wie der heilige David bezeugt: Er tröstet und inspiriert den rebellischen Geist, auf dass ihm ein Festmahl mit Gott und Ruhe bereitet wurde. Wie auch der Apostel bezeugt, indem er sagt: Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! (2 Kor 5, 20).

Siehst du die unerforschliche Nachsicht? Siehst du das unvergleichliche Geschenk? Oben im Himmel tritt der einzig gezeugte Sohn für uns ein vor dem Vater, wie geschrieben steht: „Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“ (Röm 8, 34). Unten auf der Erde tröstet uns der Heilige Geist in vielerlei Hinsicht.

“Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat?” (Ps 116, 12) Ist es nicht, was der Psalmist sagt: „Mit Leib und Seele will ich sagen: Herr, wer ist wie du? Du entreißt den Schwachen dem, der stärker ist, den Schwachen und Armen dem, der ihn ausraubt.“ (Ps 35,10). Und wieder: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Ps. 121, 2). „Wäre nicht der Herr meine Hilfe, bald würde ich im Land des Schweigens wohnen.“ (Ps. 94, 17), „Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?“ (Ps. 118, 6).

Mit einem solchen Tröster, dem Heiligen Geist, der unbesiegbaren Kraft, dem großen Verteidiger, Gott und Fürsprecher, lasst uns nicht aus Angst vor dem Feind zittern und haben wir keine Angst vor den gegnerischen Mächten, sondern eilen wir mutig und entschlossen zu Heldentaten und machen wir Tag für Tag Erfahrungen mit ihnen, nicht versucht durch die Verführung der Schlange, und nicht unter seinen unaufhörlichen Angriffen erschöpft. Die sündhafte Begierde ist nicht Vergnügen und Freude, sondern eine gefährliche und heftige Krankheit, keine Süße, sondern Wahnsinn und böse Verdunklung. Diejenigen, die die Wut des Fleisches gezähmt, die ihren Schmutz weggewaschen haben und die sich von ganzem Herzen an den einen Gott klammern, wissen dies. Eine solche Lebensweise ist die angenehmste und glücklichste; denn dann lebt der Mensch, obwohl er sich im Fleisch und in der Welt befindet, durch den Geist im Unsichtbaren, im Geist ruhend durch den gnaden erfüllten Hauch des Heiligen Geistes.

Warum lassen wir uns dann von der Wollust, die uns erobert hat, so pervertieren und solchen Veränderungen unterwerfen, dass wir, zu Erde, zu Fleisch und Blut herabgesunken, unserem allgütigen Gott völlig entfremdet sind? Fliehen wir, Brüder, vor jeder Leidenschaft: Lasst uns fliehen vor der Geldliebe, die die Wurzel allen Übels ist. Laufen wir vor jeder anderen Leidenschaft davon, die unsere Seele erobern will, wie: Wut, Neid, Hass, Selbstliebe, Eigenwille, damit der Tod uns nicht unvorbereitet findet und uns nicht von Gott entfernt. Entfremdung von Gott ist auch Entfremdung vom Himmelreich. Ewiges Gericht und Vergeltung demjenigen, der Gott nicht wohlgefällige Taten darbringt; kein Fleisch wird ein solches Urteil ertragen, denn selbst darüber nachzudenken, bevor man einer Qual ausgesetzt wird, ist bereits eine Marter.

Damit wir den Zorn Gottes vermeiden, der über die ungehorsamen Söhne kommt (vgl. Eph 5,6), lasst uns gute Taten tun, damit der Herr sich seiner Werke freue. (Ps 104, 31).

Beginnen wir unermüdlich damit, Gott zu gefallen, uns zu reinigen und unsere Seelen zu erneuern. Wagen wir es: „Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen.“ (Ps 145, 18). Lasst uns täglich Buße tun, und Gott wird uns unsere Sünden vergeben, uns trösten und uns das ewige Leben schenken, das wir in Christus, unserem Herrn selbst, empfangen werden, Dem da gebührt Herrlichkeit und Ehre mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.

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