Diese Welt transzendieren

28. January 2024

Vater Andrej Lemeschonok

Erst kürzlich feierten wir die Theophanie des Herrn und jetzt spüren wir bereits die Annäherung an die Große Fastenzeit. Der Herr sagt uns, dass wir Buße tun sollen. Ich denke, dass jeder von uns bestenfalls ein paar Mal in seinem Leben wirklich Buße getan hat. Oder vielleicht haben wir sie auch noch gar nicht erlebt. Wie können wir sie definieren? Mit welchen Worten kann man diesen Zustand der Seele beschreiben, die an der Sünde erstickt und glaubt, dass Gott sich ihrer erbarmt?

Das Himmelreich ist Christus. Ohne Ihn gibt es kein Himmelreich, aber mit Ihm wird es überall sein, wo immer wir sind. Wenn Christus in uns ist, dann ist auch das Himmelreich in uns. Egal, wie reich an geistlichen Gütern ein Mensch ist, so verzagen wir doch: Die Menschen lügen alle. (Ps 116, 11). Und nur Christus ist das Maß des Lebens, dem wir alle gleich sein sollten. Nur in ihm finden wir Wahrheit und Liebe und alles, was wir für das Heil unserer Seele brauchen. Aber die Welt, die im Bösen liegt, verzerrt alles, erdet alles, profanisiert alles.

Wir versuchen, in einen anderen Raum zu entkommen, diese Welt zu transzendieren. Eine Rakete muss die Schwerkraft der Erde überwinden, um ins All zu fliegen. Das tun wir auch, doch die Sünde zieht uns nach unten. Wir stehen in der Kirche: Erhebet die Herzen! Einmütig verherrlichen wir Gott. Aber es gibt einige Lebenserinnerungen, einige Sorgen und Probleme. Und sie hindern uns daran, "in den Kosmos hinauszugehen", wo alles schon in Gott ist! Wenn alles in Gott ist, brauchen wir nichts mehr: Sucht das Himmelreich, und dann wird euch alles andere dazugegeben (vgl. Mt 6,33). Das ist der Sinn unseres Lebens. Aber wenn es keinen Gott gibt, gibt es auch kein Leben. Wenn Gott in der Welt nicht gebraucht wird, geht die Welt unter.

Ein Mensch, der Gott ablehnt, ist ein Leichnam, egal wie gesund er körperlich ist. Und es ist sehr bedauernswert, diese lebenden Leichen zu sehen, die zwar physisch stark, aber in ihrer Seele tot sind. Aber es gibt auch gänzlich ausgezehrte Menschen, die schon keine Bewohner dieser Welt sind, aber sie haben Leben in sich! Eine Frau erzählte mir von ihrem Vater, wie er in die Ewigkeit ging. Er sagte: "Sie sollen mich ins Kloster bringen und dort die Begräbnisliturgie singen." Das ist bereits Leben. Er hatte keine Angst vor diesem Zustand. Angst ist Unglauben in Gottes Gnade. Sie ist Unglauben in die Liebe. Die Angst ist es, die uns daran hindert, an den Ort zu gehen, wo es keine Gewitter, keine Stürme, keinen bedeckten Himmel gibt. Wahrscheinlich sind viele Menschen schon einmal mit einem Flugzeug geflogen: man fliegt, und dann plötzlich eröffnet sich der Blick auf die Sonne und unterhalb des Flugzeugs befinden sich die Wolken. Dort oben gibt es keine Wolken, es ist die ganze Zeit sonnig, es ist klar, sauber und hell, die ganze Zeit. So sollte es auch in unserer Seele sein. Wir müssen diese Atmosphäre der Sünde durchbrechen, die durch unsere Zweifel und Probleme geschaffen wurde.

Ich verstehe: Wir machen uns Sorgen um unsere Lieben. Es gibt Probleme, und sie können nicht auf menschliche Weise gelöst werden. Eltern machen sich Sorgen: "Die Kinder sind aus irgendeinem unbekannten Grund irgendwohin gegangen. Und dort haben sie nichts gewonnen, sondern nur verloren. Damit bin ich jetzt konfrontiert. Aber ich frage sie: "Betet ihr. Glaubt ihr nicht, dass euer Gebet tausend Kilometer entfernt ein Wunder bewirken kann? Glaubst du nicht, dass die Liebe Gottes das härteste, das allerverhärteste Herz zum Schmelzen bringen kann? Oder glaubst du das nicht? Wie kann man! Du bist eine Mutter, du bist verpflichtet zu beten!" - "Nun, ich habe gebetet." - "Du brauchst es nicht zu lesen, verstehst du? Nimm es und sag: Ich werde beten, bis ein Wunder geschieht, bis das Kind seine Augen öffnet, bis es wie der verlorene Sohn in seine Heimat zurückkehrt. Damit er aufhört, irgendwo in diesem fremden, wilden Dschungel herumzuirren, wo alles längst verscherbelt wurde. Man muss zu Christus zurückkehren. Wir müssen in die Kirche, in das Haus des Vaters zurückkehren. Wir alle müssen in das Haus des Vaters zurückkehren, wir sind alle verlorene Kinder. Und wir alle müssen Buße tun.

Wir erkennen, wie falsch wir früher gelebt haben und heute noch leben. Doch wir wollen ein neues Leben beginnen. Und dieser Wunsch - ein neues Leben zu beginnen - darf niemals innerlich verloren gehen, niemals, unter keinen Umständen! Dann sind wir auf dem richtigen Weg und unser Weg besteht in der Nachfolge Christi. Und wie schwer es auch sein mag, was auch immer an Seuchen, Pestilenzen, Kriegen, Erschütterungen auf uns zukommt, wir werden es aushalten, denn Christus führt uns, und nicht irgendwelche anderen, wenn auch die stärksten Persönlichkeiten. Wir brauchen Christus! Ohne Christus können wir nicht leben. Und heute hat Christus uns alle zu Seinem, dem Einen Leib vereinigt. Heute sind wir in Seinem Geist miteinander verschmolzen. Und dieser Geist Christi darf nicht verloren gehen, darf sich nicht auflösen in der Eitelkeit dieser vergänglichen Welt. Dazu erbitten wir, Herr, Deine Hilfe!

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